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Uhrenmacher bauen ein Berghaus.
Das »Grenchener Tagblatt« berichtete am 21. August 1935 auf Seite 2:
Das klingt wohl sonderbar und nicht glaubwürdig und dennoch ist es Tatsache geworden, daß Uhrenmacher auf dem Romont-Berg ein Berghaus gebaut haben. Von einer Hütte kann man da nicht mehr reden, denn es ist ein architektonisch kunstgerecht erbautes Haus auf dem wasser- und kiesarmen Romontberg in gottesfreier Natur, auf einer parkartigen Weide.

Lastautos zum Materialtransport standen nur selten zur Verfügung
Seltenes Glück: Ein Lastauto 
Der Aussenbau steht fertig.
Die stolzen Bauherren 
Die abstinente Jungmannschaftsloge »Philia« Nr. 81 Grenchen, bzw. der Sportclub »Hochwacht« Grenchen hat seit Jahren seine Weekendtage auf dem Romontberge verbracht und sich vorerst in einem alten Heuschober, den sie ebenfalls wohnbar gemacht haben, niedergelassen. Als die Bewegung an Mitgliedern einen ständigen Zuwachs verzeichnete, mußte nolens volens für einen größern Aufenthaltsraum gesorgt werden. Die Idee zur Erstellung einer größern Hütte wuchs denn auch in den Köpfen der Jungmänner heran und trotz den fast unüberwindlichen Hindernissen, die sich für ein solches Unternehmen auf dem einsamen Berge stellten, wurde nach reiflicher Ueberlegung zur Tat geschritten und der Beschluß gefaßt, mit eigener Initiative und Kraft ein Berghaus zu bauen, das bei 50 Mitglieder oder Berggänger aufnehmen kann. Wohl war kein Bauarbeiter, geschweige denn ein Architekt unter den Jungmännern, sondern es waren fast durchwegs Uhrenmacher und Feinarbeiter. Der Grundgedanke bestand darin, alles soweit möglich mit eigener Hand zu schaffen und zwar stand dafür nur die freie Zeit an Samstagen und Sonntagen zur Verfügung. Ob Nebel, Regen oder Wind, der Weg auf den Berg wurde schon vor dem Bau regelmäßig unter die Füße genommen und so blieb es auch während der Bauzeit. Ein Stück Weide von 60 Aren wurde mit Mühe erworben und der Bau dadurch gesichert. Der Bauplatz wurde auf der nördlichen Seite des Romontberges, hinter der Krete, in der Nähe der elektrischen Ueberlandleitung gewählt. Die Finanzierung des Unternehmens war eine Sache der Zeit und ließ sich ordnungsgemäß durchführen. Viel schwieriger gestalteten sich die Vorarbeiten, die Materialbeschaffung und der Transport der Baumaterialien auf den Romont-Berg. Das war ein Kapitel für sich und erforderte von den Bauherren äußerste Energie und Anspannung. Das Kies beispielsweise wurde durch Sprengungen mit Cheditpatronen aus dem eigenen Boden gewonnen und mittels Steinbrecher gebrochen. Diese Arbeit wurde zeitweise mit Tag- und Nachtschicht ohne Unterbruch vorgenommen. Das Fundament des Hauses wurde auf Felsen gebaut und zwar im Ausmaße von 8.60 × 8.10 m. Das Wasser für die Zementierung wurde aus Zisternen zusammengetragen. Zur Wasserversorgung des Berghauses wurde ein Reservoir mit einem Inhalt von 8000 Liter hinter dem Haus in den Boden eingebaut. Ein begabtes Mitglied erstellte nach eigener Initiative die Baupläne und es wurde ein Massivbau aus Eisenbeton erstellt. Die Arbeiten wurden im Februar 1934 aufgenommen und dauerten mit Winterunterbruch bis zum heutigen Tage. Glücklicherweise konnten bei günstiger Witterung im Vorjahre die Arbeiten soweit gefördert werden, daß vor dem großen Schneefall fast noch das Ziegeldach fertig erstellt werden konnte. Heute steht es da, mit einfachem Giebeldach, aus dem ein rauchendes Kamin majestätisch herausragt. Selbst die Dachrinnen fehlen nicht, denn das köstliche Naß wird für das Wasserreservoir gesammelt. Mit großer Freude legen die begeisterten Sportsleute die letzte Hand an zur Ausstaffierung des schönen Heimes. Ein Korridor nimmt die Sporteffekten auf und für sämtliche Besucher steht ein Tresorfach zur Aufbewahrung der Wertsachen zur Verfügung. Eine große getäferte Stube ladet zum Aufenthalt ein und in der Küche knistert das Herdfeuer. Fließendes Wasser und eine warme Ofenwand für die kalten Tage sind die komfortablen Einrichtungen, gebaut von den jungen Baukünstlern. Auf dem Dachboden sind die sinnreich angelegten Schlafstellen eingerichtet, die vollständig getrennt für Männer und Frauen für rund 45 Personen Unterkunft gewähren. Das Dach ist doppelt verschalt und innen gestrichen. Die kleinen Fenster, die einzig von Fachleuten hergestellt wurden, gewähren dem Tageslicht den Eintritt in den heimeligen Raum. Wer sollte da nicht begeistert sein, in einem solchen saubern Häuschen seine Wochenendtage zu verbringen.

So haben die Jungmänner des Sportklub »Hochwacht« unter einer energischen Baukommission ihr Werk unter größten physischen und auch finanziellen Opfern zu Ende geführt. Eine Tat, die sich nicht mit Worten vergleichen läßt, sondern eine Tat des Willens und der Tatkraft, wozu wir den Initianten und Förderern des guten Gedankens herzlich gratulieren. Wie mancher junge Bursche ist unterdessen aus dem Strudel des Stadtlebens ferngehalten worden und hat seine Wochenendtage als Pflichterfüllung gegenüber Kameraden in Kauf genommen und nach seinem Wissen und Können Bausteine zusammengetragen und so ein sichtbares Denkmal für eine Bewegung schaffen helfen, die für die Jugend nur gute Früchte tragen kann.

Am kommenden Samstag und Sonntag findet nun die Einweihung dieses Berghauses statt. Ein reichhaltiges Programm wurde bereits für die eingeweihten Kreise herausgegeben. Es wird ein urchiges Bergleben mit Chilbi und Referaten und Schlüsselübergabe gestaltet. Uneingeweihte müssen sich anmelden, da das Berghaus für Ortsfremde nicht leicht auffindbar ist.
ch.

 
Uhrenmacher bauen ein Berghaus.

Uhrenmacher bauen ein Berghaus.

Uhrenmacher bauen ein Berghaus.

Uhrenmacher bauen ein Berghaus.

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